Vor etwa 20 Jahren gab es ein Werftmodell im Besitz unserer Familie. Dieses Modell eines Frachtschiffes für einen dänischen Auftraggeber stand Jahre zuvor im Büro meines Vaters auf der
Werft Nobiskrug. Der nächste Zugang war das Modell des Trawlers Narfi, welches ich zufällig bei einem Antiquitätenhändler entdeckte. Dieses Stührmann-Modell erhielt der ehemalige technische
Geschäftsführer der Werft Nobiskrug (Prof.) Dr. Verhovsek zu seiner Verabschiedung im Jahre 1977. Der Grundstein der Sammlung war gelegt.
Obwohl viele meiner Erinnerungen an die mit Modellen bestückten Flure im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Werft Nobiskrug Erinnerungen aus der Kindheit und der Jugendzeit waren, so blieben
sie doch präsent. Ich erinnerte mich immer zuerst an das Modell des Fährschiffes Prins Oberon damals hochmodern für mich vom Linienriss eher ein Passagierschiff als ein Fährschiff. Das originale
Werftmodell wurde in einem Anzeigenblatt angeboten und sollte von einer Bildungsstätte in der Mitte Schleswig-Holsteins verkauft werden. Dort war nur die Vitrine in der Eingangshalle ausgestellt,
an dem Modell war man dort nicht interessiert gewesen und hatte es eingelagert. So kam das erste Nobiskrug Fährschiff-Modell in unser Haus.
Die Geschichte ging weiter, Modelle der Werft Nobiskrug, die ein Rendsburger Bankhaus besaß, suchten einen neuen Besitzer, durch Zufall erstand ich aus einem Nachlass das Modell eines frühen
Nobiskrug Nachkriegsbaus, erbaut 1951 und zu guter Letzt konnten kurz vor der bitteren 3. Insolvenz der Werft Nobiskrug fast alle noch bei der Werft verbliebenen originalen Modelle bis in die
Ägide der HDW-Nobiskrug erworben werden, die dem Schifffahrtsarchiv Rendsburg zur Verfügung standen und dauerhaft stehen.
Bei meiner Suche nach Werft-Modellen mit Bezug zu meiner Heimatstadt Rendsburg fand ich Laufe der Jahre viele sehenswerte Werftmodelle anderer deutscher bzw. europäischer Werften, die Ihren Weg in die Sammlung fanden. So konnte z.B. der Bestand an alten Modellen der Reederei Zerssen und der Tankerreederei Entz (ehemals mit Sitz in Rendsburg) in die Sammlung integriert werden. Immer wieder kam es zu unerwarteten Zufällen, so sah ich in einem Inserat bei der Suche nach einem rustikalen Regal plötzlich ein weniger passendes Regal allerdings mit einem Stührmann-Modell aus den sehr frühen 1950er Jahren, das nun einen Blickfang der Ausstellung darstellt.
Und trotz des Modellzulaufes über die Jahre dachte ich immer wieder an die ehemalige "große Halle" im Verwaltungsgebäude der Werft Nobiskrug mit den alten Modellen der Frachtschiffe wie z.B. der Archsum und der Tinnum in Wandnischen, den Großmodellen des Eisenbahnfährschiffes Deutschland, des Fährschiffes Prins Oberon, den eisbrechenden Produktentankern der Reihe (Lunni, Uikku, Sotka, Tiira), einem Frachtschiff der Reederei Oldendorf aus den 60er Jahren und an das originale Präsentationsmodell / Typschiff "Ich Verdiene".
Zumindest ein nicht unbeträchtlicher Teil dieser Modelle konnte aufgespürt werden und steht fortan im Rahmen der Sammlung den Rendsburger Museen insbesondere dem Schifffahrtsarchiv Rendsburg/der Jens Peter Schlüter Stiftung als Ausstellungsobjekte zur Verfügung.
Erst vor kurzem wurden Werftphotos aus familiärem Bestand in die der Werft Nobiskrug gewidmeten Kapitel eingestellt, diese Fotos ermöglichen einen kleinen Einblick in die Arbeiten der Werft und Ihrer vielen Beschäftigten vor allem in den 1970er Jahren.